Über dieses Buch:
Mein Schicksal schrieb mir dieses Buch vor und ich zeichnete seinen Inhalt auf.
1957 wurden bei mir im Säuglingsalter aufgrund eines ‚grünen Stars’ drucksenkende Augenoperationen vorgenommen, obwohl die chirurgische Ophthalmologie selbst noch in den Kinderschuhen steckte.
Mit einer starken Sehschwäche besuchte ich im Herzen des Ruhrgebiets, mit einem Fernglas bewaffnet, ganz normale Schulen und versuchte ständig an allen Aktivitäten teilzuhaben, die naturgemäß nur
gut sehenden Menschen vorbehalten sind. Ich wehrte mich gegen Hohn und Spott und kompensierte meine Behinderung in der Rolle des Klassenclowns. So wurde mein Leben schon in jungen Jahren
abenteuerlich. Meine leichtsinnigen Experimente steigerten sich bis zum Motorradfahren ohne Führerschein und hielten meinen Schutzengel auf Trab.
Nach kleineren Irrwegen fand ich meine Berufung in der Physiotherapie. Mit dem Job, einer attraktiven Frau, dem ersten Kind und einer Wohnung hätte das Glück perfekt sein können. Es fehlte nur
noch eine Verbesserung meines Sehvermögens, da die Fortschritte der Medizin berechtigte Hoffnungen zuließen.
Das Schicksal wollte es anders und mein Sehen stürzte direkt nach der Geburt unseres ersten Kindes in eine hochgradige Sehbehinderung. Als fast blinde Aufsichtsperson zog ich böse Sprüche fremder
Mütter auf mich, wenn ich nach erfolglosem Rufen an Stelle meines eigenen Kindes aus Versehen deren Kind aus dem Sandkasten zerrte. Ich geriet mit meinem schattenhaften Sehvermögen bei einer
Bergwanderung in einem Gewitter in Not und verließ die Skipiste erst, als mein zerbrochenes Brillenglas nach einem üblen Sturz in der Wange steckte. Ich konnte einfach nicht loslassen und machte
mich mit zwölf weiteren Augenoperationen auf die Flucht vor der völligen Erblindung. Zum körperlichen Ausgleich bestand ich im Alter zwischen dreißig und vierzig Jahren mehrere
Judogürtelprüfungen und gründete mit einem Freund eine Zweimannband, die mein angeschlagenes Selbstwertgefühl immer wieder aufrichtete. Dann schob mein Schicksal mit dem weißen Stock einen Riegel
vor all diese Aktivitäten.
Auf der Suche nach mir selbst fand ich Antworten in der Literatur. Den Zugang bekam ich durch die Hörbücher einer Blindenhörbibliothek und dem freien Hörbuchmarkt. Dann folgte der technische
Teil. Alle Gegenstände begannen nun mit mir zu sprechen. Meine Uhr, mein Taschenrechner, die Körperwaage und ein Vorlesesystem für maschinell geschriebene Texte redeten täglich auf mich ein. Mit
dem einst verfluchten Blindenstock schloss ich endlich Freundschaft und war schon bald nicht mehr so ‚anstößig’ und ‚umwerfend’, wie in all den Jahren zuvor. Endlich hatte ich mich und meine
Behinderung völlig angenommen und war aufrichtig zufrieden. Meiner Auffassung nach hatte ich das Testprogramm meines Schicksals abgeschlossen und bestanden.
Mit knapp Fünfzig ließ meine berufliche Leistungskraft deutlich nach. Die Ärzte diagnostizierten Knochenmarkkrebs. Gleichzeitig bekam ich eine Blutarmut, doch deren Ursache fanden die Mediziner
trotz monatelanger Suche nicht heraus. Da stellte das Leben wieder mal die Weichen. Während einer Chemotherapie-Phase bekam ich eine Blutvergiftung und wurde unter hektischem Blaulicht zwischen
verschiedenen Kliniken hin und her gefahren. Als ich dem Tod für einige Tage ins Gesicht sah und die Ärzte meine Angehörigen auf das Schlimmste vorbereitet hatten, fand man endlich die Ursache
für meinen ständigen Blutverlust. Neben dem Knochenmarkkrebs hatte sich noch der Lymphdrüsenkrebs in meinen Körper geschlichen. Endlich war ich bereit aufzugeben, doch meine Frau, meine Kinder
und Freunde gaben mir die Kraft dem Totengräber von der Schippe zu springen.
Als meine Nerven aufgrund der oben beschriebenen Ereignisse gerade noch völlig blank lagen, begannen mein Vater und seine zweite Frau einen verheerenden Erbschaftskrieg gegen mich zu
führen.
Um meinen Kopf frei zu bekommen, arbeitete ich mich autodidaktisch in ein Computerprogramm für Blinde ein und begann zu schreiben. Unter den Infusionsflaschen der Chemotherapie erinnerte ich mich
an die vielen Anekdoten meines Lebens, die ich zwischen den Therapiezyklen aneinanderreihte. Die aktuellen Gefühle und Gedanken eines Menschen, der gerade aus der Hölle zurückgekehrt war, flossen
direkt in mein Manuskript ein. Zur Krönung verlor ich aus gesundheitlichen Gründen nach vierunddreißig Jahren Dienst in der Klinik meine berufliche Arbeitsfähigkeit.
Mein Leben hielt aber auch noch mehr für mich bereit, denn das Schreiben der Biografie hatte in mir den Autor geweckt und ich begann begeistert Romanmanuskripte zu verfassen.
Im Testprogramm des Schicksals
Biografie
Dieter Kleffner
1. Auflage 2012, Books on Demand
2. Auflage 2017, Edition Paashaas Verlag, www.verlag-epv.de
ISBN: 978-3-945725-90-0
Umfang 312 Seiten . Taschenbuch 12,90 EUR . eBook 4,95 EUR
Die Taschenbuchausgabe ist in allen bekannten Onlineshops und auch direkt beim Verlag im
Online-Shop.
"Im Testprogramm des Schicksals" kann von allen Mitgliedern der Blindenhörbücherei Münster und Medibus als Hörbuch unter der Titelnummer 28162 ausgeliehen werden.
„Drehbuch für einen Täter" – Thriller
„Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt“ – BLAutor Anthologie, Hrg. Dieter Kleffner
„Triathlon der Angst" – Thriller
„Jagd auf das Chamäleon" – Thriller
„Hochmut, Hass
und Liebe (Die 2. Generation)“ – Familiensaga
„Hochmut, Hass und Liebe (Die 1. Generation)“ – Familiensaga
„Hochmut, Hass und Liebe“ – Hardcover Sammelband
„Gedichte, die Bände sprechen" – Gedichtband
„Selbstgerecht und selbst gerächt“ – 4 Kurzkrimis
„Blind“ – Betrachtungen eines blinden Autors
„Intrigenspiel“ – Ruhrpott-Krimi (Gemeinschaftsprojekt EPV)
„Machenschaften“ – Ruhrpott-Krimi (Gemeinschaftsprojekt EPV)
„Der Stalker von nebenan“ – Kriminalroman
„Schlaflose Kissen und schlechte Gewissen“ – Drei Kriminalromane
„Ein Tag für Blinde, Lahme und Verrückte“ – Gesellschaftsroman
Wenn Euch diese Seite gefällt, teilt sie mit Euren Freunden: